3. September 2015

24. Wetter

Wenn der Wind so laut ums Haus fegt und der Regen an die Fensterscheibre klatscht, dass deine Gastmutter an deine Tür klopft und fragt ob sie dich fahren soll. Ne, geht schon, sage ich zuversichtlich und laufe zum Fenster.
Grau. Ich kann nicht mal das nächste Fjordufer richtig sehen.
Dann ringe ich noch mit mir selbst, ob der Kampf mit dem isländischen Herbswetter, halbausgeschlafen, eine unverzichtbare Erfahrung ist. Ein weiteres Heulen, ich sehe, dass die Wellen bis weit vom Ufer weiße Kronen tragen.
Naja, vielleicht wärs doch besser zu fahren, sage ich auf dem Weg zum Bad.
In unserem Teil der Schule sind 2 Leute, als ich ankomme. Der Eine schläft. Der Andere spielt leise Gitarre.
Guten Morgen Island.
Lily

2. September 2015

23. Arrival

Hæ!
Og hvað segirðu, was los bei euch auf dem Festland?
Schon über eine Woche bin ich jetzt hier auf der Insel.
Als erstes gings ins Arrival camp, anstrengend, aber schön. Ich habe so viele tolle Menschen aus der ganzen weiten Welt kennen gelernt und habe erste isländische Erfahrungen gemacht. Eis essen, obwohl man selber friert, und isländische Badekultur, nackt duschen, Eisbad (Obwohl das wohl eher ein scherz unserer Teamer war) und Heitur pottur. Wir haben auch eine Talentshow veranstaltet und die Gruppe, in der ich war hat Rotkäppchen aufgeführt, jeder in seiner Sprache. So kam es dann, dass Rotkäppchen ein Russe aus dem Bilderbuch mit Piepsstimme, der Jäger ein hektisch auf Thai schreiendes Mädchen, der Wolf spanisch und die Oma Deutsch waren. Ich selbst bin englisch sprechend als Erzähler aufgetreten.

Am Sonntag kamen dann unsere Familien. Wir alle wurden immer aufgeregter je näher wir dem Raum kamen, in dem unsere Familien warteten. Hinter einer Trennwand standen wir in einer Reihe, mussten ganz still sein. Als wir dann alle in einer Reihe standen haben sich alle Familien nacheinander vorgestellt, ich war als erstes dran! Nach der Umarmung war die Aufregung weg und schlug in Rührung um, nacheinander begrüßten sich alle und ich habe nicht wenige ein zwei Tränen verdrücken sehen. Nach einem ersten Foto bin ich mit den Beiden erst zur Perlan, einem Heißwassertank über der Stadt, gefahren. Den wollte mir der kleine unbedingt zeigen! Dann sind wir noch gemeinsamen mit einer anderen Austauschschülerin und ihrer Gastmutter Essen gegangen.


Dann hieß es auf Wiedersehen Großstadtleben und hoch an meinen Fjord!













Lily

20. August 2015

22.

Morgen  bin ich weg. Und fühl mich komisch, dieses Flatternde Gefühl im Magen, von dem man nicht weiß ob es gutes oder schlechtes bedeutet. Die Koffer sind gepackt, letzte Vorbereitungen getroffen. Ich kann das alles nicht glauben, nicht in Worte zu fassen, was ich grade fühle.
Morgen um die Zeit sitz ich über den Wolken, wenige Stunden später in meinem neuen Zuhause (naja fast). Manche sind schon losgeflogen, ich hab noch diesen Tag.
Ich hab Schiss.
Aber:
Ich freu mich, so sehr.
Lily

7. August 2015

21. Ich packe meine Koffer

Und nehme mit:
Alles, was ich aus meinem alten Leben vermissen könnte und einpackbar ist.
Alles, was ich in meinem neuen Leben brauchen könnte, reduziert auf Kilo und Größe.
Alles, was ich brauche, um diese beiden leben zu verbinden, reduziert auf was?

Was ich nicht einpacke, beeinflusst.
Was ich einpacke ebenso.

Die Tage fliegen, ein Austauschschüler nach dem anderen fliegt ab.
Von einem nach dem anderen muss ich mich verabschieden, nicht für immer aber für eine lange zeit.
Wie sagt man Auf wiedersehen?
"Ich komme ja wieder!" sage ich wie ein Mantra, "So lang sind 10 Monate ja nicht."
Halb zu dem Umarmten, halb zu mir selbst.

"Thats all so exciting!" sagen meine Gastmamma oder ich beinahe jedesmal. Ja das ist es.

Verdammt ist das surreal!

In jeder dieser langen Sommernächte schaue ich auf mein Handy und sehe, dass es nun noch ein Tag weniger ist.

Gestern hab ich Wintersachen anprobiert, dicke Jacke, Mütze, Schal, Handschuhe, lange Hose,
Pullover, Wollsocken und Schuhe. Bei 36 Grad auf dem Balkon. Sehr lustig.
Bin denk ich in dem Punkt ganz gut vorbereitet. Oh und ich kann jetzt auf Isländisch bis hundert zählen. Glaub ich jedenfalls. Und ich hab gelernt was Orange auf Isländisch heißt, aber nur weil's witzig klingt.

Es ist komisch, diese Zeit in der man zwar noch hier ist, aber irgenwie auch nicht. Ich fahre halt, manchmal ist das toll, manchmal auch doof.
Und trotzdem bin ich überzeugt, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.

Lily


2. Juli 2015

20. Ja/Nein/Vielleicht

Ich will wegfahren.
Will nur nicht zurücklassen.
Will Risiko eingehen,
aber nicht alles verlieren.
Ich will alles zurücklassen,
weil ich zu wissen glaube, dass es schon klappen wird.

Will ins Flugzeug.
Aber irgendwie auch nicht.
Will nicht ins Flugzeug,
aber doch schon irgendwie.

In weniger als 8 Wochen werde ich ein Kleinstadtleben führen, an einem Fjord, direkt am Meer.
Werde zur Schule gehen, zusammen mit 14 anderen Leuten meines Alters.
Werde dann einen kleinen Bruder haben, eine Mamma, eine große isländische Familie.

In weniger als 8 Wochen werde ich mein Großstadtleben verlassen, raus aus dem lauten, schnellen Alltag. Werde nicht mehr mit den Leuten, die ich seit 4 Jahren kenne zur Schule gehen. Scheiße.
Ich werde trotzdem immer noch einen großen Bruder haben, eine Mama, einen Papa und meine deutsche verstreute Familie.

Muss in weniger als 7
Wochen vieles unterbringen, passt nicht, muss passen, wird passen.

Muss mich verabschieden. Von vielen schon in 2 kurzen Wochen.

Für 10 Monate anders Leben.
Wie wird das wohl?

Muss planen, hier wegzugehen.
will nicht planen, hier wegzugehen.
will planen, hier wegzugehen.

Die ganzen Gedanken bekomme ich einfach nicht in meinen Kopf.

Gegensätze, Wünsche, Vermutungen.

Traurig sein, glücklich sein.

Waaah.
Ich kanns nicht glauben.
Wills nicht glauben?

Lily